2025
So still ist es sonst nie. Das ist nicht bloss ein Eindruck: Frischer Schnee ist fast nur Luft, und der Schall verschwindet in den Poren wie in einem Dämmstoff — am stärksten genau bei den mittleren Tönen, also bei Schritten und Stimmen.
Am Waldrand kreuzt eine Spur den Weg, geradeaus, ein Fuss fast vor dem anderen. Kein Hund läuft so.
Unten war es den dritten Tag grau. Oben am Grat stand ich um halb neun genau an der Kante — Sonne im Rücken, und vor mir das Ganze als flaches, weisses Feld mit den Hügeln als Inseln darin.
Eine Stunde später war die Kante gestiegen und ich wieder mittendrin. Sie liegt nie gleich hoch, deshalb nützt es auch nichts, sich eine Höhe zu merken.
Unten sagen sie, es sei ein trüber Monat. Sie haben ja recht.
Die dicke Buche, die vor Jahren quer über den unteren Weg gefallen ist, liegt immer noch da. Man geht jetzt halt aussen herum.
Früher wäre sie sofort weggeräumt worden. Inzwischen lässt man sie liegen, und man sieht auch, warum: Der Stamm ist unten weich, voller Gänge, und wenn man die Rinde anhebt, ist darunter mehr los als überall sonst.
Unter den alten Buchen steht etwas Helles mit einem Ring am Stiel, und ich weiss nicht, was es ist. Fotografiert, nachgeschlagen, immer noch nicht sicher.
Stehen gelassen. Es geht ja nicht ums Sammeln.
Mittags wandern die hellen Flecken über den Boden, und wo einer eine Weile liegen bleibt, wird die Streu warm und riecht.
Ein Wort dafür gibt es nicht, jedenfalls kein schönes — die Fachleute sagen schlicht Sonnenflecken. Man liest oft, das Deutsche hätte da etwas Eigenes. Hat es nicht.